it's all about something that was missing before. Iris Kojaman

it's all about something that was missing before. Iris Kojaman

13.02.-08.03.2026

Opening: 12.02.2026 | 19:00 

Lindengasse 51, 1070 Wien

Es geht um das, was zuvor gefehlt hat. Was hat gefehlt – und was ist jetzt da? Wie lässt sich eine Präsenz abbilden, die eben noch da war und nun verschwunden ist, oder die verborgen bleibt? Reicht die Intention einer Figur, um Anwesenheit im Bild zu verankern? Macht es einen Unterschied, ob Präsenz sichtbar ist oder nur mitgedacht wird? Iris Kojamans neue Arbeiten kreisen um genau diese Fragen: um das Fehlende, um Spuren von Anwesenheit, um Räume, die von Körpern bewohnt wurden, die nicht mehr da sind.

Iris Kojamans malerische Ursprünge liegen in der figurativen Praxis. In ihren frühen Arbeiten fungierte der Körper als Ausgangspunkt der Komposition, aus dem sich der übrige Bildraum entwickelte. Mit der Zeit verlagerte sich der Fokus: Der umgebende Raum gewann an Gewicht, bis die Figur als Abbild zurücktrat. In den vergangenen Jahren öffnete sich ihre Malerei zunehmend der Abstraktion. In einem Prozess der Reduktion werden Formen vereinfacht, Flächen gegeneinandergesetzt, Farben zu eigenständigen Akteuren.

In der neuen Werkserie, die in der Ausstellung It’s all about something that was missing before zu sehen ist, kehrt die Figur zurück – jedoch nicht als Darstellung, sondern als Idee, als Spur, als Leerstelle, als sich auflösende Form im Raum. Figuren sind in diesen Bildern manchmal noch lesbar, manchmal kaum erkennbar, manchmal existieren sie nur als gedachte Beziehung zwischen Formen. Kojaman spürt dem Nachhall von Präsenz in Räumen nach und den Spannungsfeldern, die sich zwischen Figuren und ihrer Umgebung öffnen.

Formal entsteht diese Bildsprache in einem collageartigen Prozess. Vorab bemalte Papierflächen werden zu Bausteinen der Komposition, aus denen sich Formen entwickeln, die malerisch in die Leinwand integriert werden. Die Collage-Elemente schaffen ein Gefüge von Beziehungen zwischen Farben, Texturen und Flächen. Große, ruhige Farbfelder begegnen kleineren, fragmentarischen Formen, während ein vielschichtiges Spiel malerischer Gesten entsteht. Lasierende Bereiche, pastose Stellen, Pinselspuren und Übermalungen lagern sich übereinander, Farben schimmern durcheinander hindurch. So formieren sich Bilder ohne illusionistische Tiefe, die sich dennoch in Schichten und Ebenen entfalten - eine visuelle Struktur zwischen Präsenz und Verdeckung, zwischen Sichtbarkeit und Durchlässigkeit.

Am Ende kehren die Fragen zurück: Was hat gefehlt? Was ist jetzt da? Die Ausstellung bleibt ein suchender Prozess, der keine Antworten bereithält. Sie ist der Versuch, dem Fehlendeneinen Raum zu geben, ohne es festzuschreiben. Jedes Bild beginnt diese Suche neu. „Jede Figur ist ein Kampf“ – und vielleicht liegt genau darin etwas Entscheidendes: in der Offenheit des Fragens, nicht im Versprechen einer Lösung.

 

 

ÜBER DIE KÜNSTLERIN

Iris Kojaman (*1981, Österreich), auch bekannt als Iris Nemecek, ist eine bildende Künstlerin, deren Schwerpunkt auf Malerei und Collage liegt. Sie studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien und schloss ihr Studium 2006 ab. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt, unter anderem in Italien, Großbritannien, der Schweiz und den USA. Zu den ausgewählten Einzelausstellungen zählen Jolly Roger (MUSA Museum, Wien) und Blue Pool (Black Dragon Society, Los
Angeles). 

Sie lebt und arbeitet in Wien und Eichgraben, Österreich.